Stadtnacht

Ich liege im Bett, mein Blick Richtung Fenster. Es wird hier niemals richtig dunkel. Obwohl ich den Himmel sehen kann, obwohl es nicht das Licht eines gegenüberliegenden Fensters sein kann. Man sagt, diese Stadt schläft nie, und es scheint zu stimmen. Denn selbst wenn die letzte müde Seele in den umliegenden Häuserblocks die letzte Lampe löscht, geht das Licht nicht wirklich aus. All die Straßenlaternen und Leuchtreklamen strahlen weiter. Irgendwo fährt ein Lastwagen, kurz darauf ein Motorrad. Und selbst wenn es ganz still ist, und alles unbewegt, ist es noch immer zu hell, um die Sterne zu sehen.

Ein Glockenschlag, ich wälze mich auf die andere Seite. Die Wolkendecke verstärkt den Effekt, ihr gegenüber würde selbst der Mond in klaren Nächten verblassen. Doch es ist eine seltsame Helligkeit, sie wirft keine Schatten. Dunkelheit packt alles in Watte. Jedes Geräusch ist nur ein stumpfes Abbild seiner selbst, jede Form verschwimmt mit ihrem Hintergrund.

Ein Windhauch streicht über meine Haut, endlich ein klares Gefühl. Er ist nicht kalt oder warm, gerade so bemerkbar, und unglaublich sanft. Zieht leise Kreise auf meiner Schulter, mit Schwung den Arm hinunter, und auf dem Weg nach draußen spielt er noch einmal mit dem Vorhang. Zurück bleibt ein wenig Straßenluft, Straßenduft. Reifenabrieb und Morgendunst. Meine Sinne sind berührt, beruhigt. Noch mit geschlossenen Augen kann ich das ewige Großstadtblau erahnen, die Decke über meinem Ohr hält kein Motorengeräusch von mir fern. Ich lausche, rieche und sehe sogar ein bisschen. Irgendwann schlafe ich ein. Doch es ist niemals ganz dunkel.

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