Frame

Dieselben vier Wände. Derselbe Raum immer und immer und immer und immer wieder, nach beiden Seiten des Korridors, so weit das Auge reicht. Es gibt keine Fenster, keine Türen, nicht die kleinste Erhebung von den blassweißen Wänden. Selbst der Boden erscheint in demselben Weiß eines viel zu glatten Materials. In der Decke ist eine quadratische Lichtquelle eingelassen, doch sie ist zu grell, um einen näheren Blick zuzulassen, um genauer zu erkennen, was es ist. In jedem Raum dasselbe blendend helle Licht, während der Gang im Halbdunkeln liegt, erleuchtet nur von den periodischen, aus den Türrahmen stömenden Strahlen in exakt den gleichen Abständen, so weit das Auge reicht…

Ich weiß nicht, wie ich hierher gekommen bin. Ich habe auf dem Bauch gelegen, das linke Bein angewinkelt, die Arme schützend um meinen Kopf. Als wäre ich hier eingeschlafen. Als wäre ich von irgendwo heruntergefallen. Meine Augen haben auf das erste Blinzeln reagiert, als wären sie zu lange Zeit ans Dunkle gewöhnt gewesen. Nun wird es nicht mehr dunkel, selbst wenn ich die Augen schließe. Ich bin aufgestanden, aus Mangel an jeglichen Objekten, die mein Interesse auf sich ziehen könnten, Richtung Korridor und in den nächsten Raum zu meiner Rechten hinein gegangen. Noch einmal dasselbe Spiel und noch einmal und nocheinmal, bis ich verwirrt vor einem der Räume stehen bleibe. Nach links und recht derselbe Anblick, so weit das Auge reicht…

Ich laufe nach links, an einem, zwei, drei, fünf, zehn, zwanzig Räumen vorbei – immer noch dasselbe Bild. Die äußere Wand, die den Räumen gegenüberliegt, erscheint makellos und immer gleich, unendlich lange und unendlich monoton. Keine Ungerelmäßigkeit, kein Flackern, kein Schatten – kein Schatten? Ich werfe keinen Schatten. Der Raum zwischen den Türrahmen liegt nicht im Licht, doch auch wenn ich direkt darin stehe, werfe ich keinen Schatten. Ich drehe mich nach allen Richtungen. Meine Verwirrung nimmt zu. Doch abgesehen davon fühle ich mich völlig leer. Keine Angst, keine Verzweiflung, keine beunruhigte Stimme in meinem Kopf. Ich verstehe nicht, doch ich stelle keine Fragen. In meinen Gedanken nur die weißen Räume, der halbdunkle Gang, die schrecklich grellen Lichtquellen und alle paar Meter in leerer Türrahmen. Ich schreie in einen Raum hinein, rufe in den Gang, aber ich schreie nicht um Hilfe, schreie nur um zu herauszufinden, was passiert. Meine Stimmt klingt dumpf in mir wider, als ob sie gar nicht nach außen gedrungen wäre. Ich fühle mich leer, so als ob ich gar nicht existieren würde. So leer wie die Räume und der Gang, nach beiden Seiten, so weit das Auge reicht…

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