Paris en Juin

S-Bahn-Rattern, Abflug-Schwerkraft, Gepäckbandwarten, „Taxi!“.

Vor zwei Minuten waren wir noch zu Hause. Jetzt sind wir hier. Im abendlichen Verkehrschaos des irgendwievielten Arrondissements, auf dem Weg in ein anders-zahliges. Es ist schon so gut wie dunkel, aber die Nacht leuchtet, und wir leuchten ihr entgegen. Ich sehe Caroline, ich sehe wie wir zwischen avancierten Künstlern und City-Touristen irgendwo, vielleicht in einem der steilen Gässchen Montmartres sitzen und trinken und essen, was man hier trinkt und isst – Rotwein und Baguette. Hier eine streunende Katze, bald da und dort ein Regentropfen, aber wir sind nicht aus Zucker, oder etwa doch? Die Stadt ist viel zu schön, bei Nacht und wenn es regnet. Man möchte schlaflos sein oder nie wieder aufwachen. Wir spazieren hinab nach Goutte d’Or, wo uns wie am Volkert mehr Eisenbahnschienen als sonst etwas begrüßen. Industrieromantik direkt neben dem Stadtzentrum, es ist nicht weit zu irgendeinem Seine-Kanal, wie sonst auch bei der Donau. Ich weiß jetzt, warum es hiervon keine Fotos gab; man kann das nicht fotografieren. Man muss es sehen, angreifen, mitleben. Der goldene Tropfen Napoleons, bald Tempel der Arbeitsmigration, bald Gentrifizierungsnachzügler. Die letzten Marktständler möchten gerade schließen, doch das Gespräch mit der Nachbarin, dem Sohn des Hausbesitzers, dem alten Verkaufstag ist viel zu anregend. Hier geht man nicht nach Hause, hier ist man zu Hause. Auf der Straße, im Blouson, auf dem Balkon eines einsamen Hotelzimmers.

Immer, immer, immer hellwach.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s